Rund ein Jahr gibt es das familiengeführte Hotel „Das Hürner“ in Ansbach. Miteigentümer Jens Blank (45) kam als Quereinsteiger in die Hotellerie und schlitterte als Neuling in die Corona-Krise. Im Interview mit der IHK-Akademie Mittelfranken in Rothenburg erzählt Blank, wie er kreativ mit der Corona-Krise umgeht und was er sich in Zukunft für sein Hotel wünscht.

IHK: Viele Gastronomen und Hoteliers haben Albträume wegen der Corona-Krise. Wie schlafen Sie zurzeit?

Jens Blank: Teilweise schon schlecht. Aber wir stecken den Kopf nicht in den Sand, das ist mir wichtig.

IHK: Was war Ihre erste Reaktion, als Ministerpräsident Markus Söder die Geschäftsschließungen für Hotel- und Gastrogewerbe verkündete?

Jens Blank: Das war eine riesen Katastrophe. Ich hätte mich am liebsten direkt auf die Malediven abgesetzt (lacht). Knapp ein Jahr nach der Eröffnung sind noch keine Rücklagen da.

IHK: Wie sieht Ihr Geschäftsbetrieb zurzeit aus?

Jens Blank: Wir liefern Essen für Privatpersonen und Firmen aus. Abholen können unsere Gäste die Gerichte auch. Außerdem beherbergen wir Geschäftsreisende und bieten Frühstück und Abendessen auf deren Zimmern an. Auch für das Home-Office stehen Zimmer bereit.

IHK: Finden Ihre Angebote Anklang?

Jens Blank: Rund 20 Prozent der Zimmer sind durch Geschäftsreisende belegt. Wir haben ursprünglich mit 60 Prozent Auslastung gerechnet. Zudem sind zwei Zimmer als Home-Office belegt.

IHK: Und in Ihrem Restaurant?

Jens Blank: Unter der Woche verkaufen wir etwas weniger Essen. Am Wochenende ist es dagegen nahe am Normalbetrieb. Über unseren Lieferservice verkaufen wir kaum Getränke. Das ist für uns ein Nachteil im Vergleich zum vor Ort-Besuch.

IHK: Woher denken Sie, kommt der Ansturm am Wochenende?

Jens Blank: Wir liefern zum Beispiel an ältere Leute, die sonst aus gesundheitlichen Gründen nicht zu uns ins Restaurant kommen könnten. Die freuen sich darüber, dass sie mal wieder ein typisch fränkisches Gericht essen können, wie Schäuferla oder Sauerbraten. In Ansbach war fränkisches, geliefertes Essen eine Marktlücke und vor der Krise nutzte diese Lücke niemand. Durch die Krise sind viele Ansbacher Hotels, so wie wir auch, auf diesen Zug aufgesprungen.

IHK: Sie gehen kreativ mit der Krise um, woher kommen die Ideen?

Jens Blank: Mein Team und und ich verfolgen aufmerksam die Medien. Zudem habe ich ein gutes Netzwerk in ganz Deutschland und bekomme daher auch den ein oder anderen Tipp. Und wichtig dabei ist immer: offen sein, ausprobieren und auch Fehler zulassen.

IHK: Decken Sie damit Ihre Kosten?

Jens Blank: Nein, meine laufenden Kosten übersteigen zurzeit meine Einnahmen. Ich möchte meinen Mitarbeitern aber zeigen: Ich kämpfe für den Betrieb und bin für sie da.

IHK: Welche Hygiene-Maßnahmen sind neu im Hotel?

Jens Blank: Wir achten auf den Mindestabstand und gestalten Frühstück und Abendessen im Haus sowie unseren Abholservice kontaktlos. An unserer Rezeption ist ein Spuckschutz montiert. Zusätzlich haben wir uns überlegt, was Gäste am häufigsten anfassen und desinfizieren daher zum Beispiel unsere Fahrstuhlknöpfe mehrmals am Tag. Unser Fitnessraum ist komplett gesperrt, da dort die notwendige Hygiene nur schwer einzuhalten wäre. Zusätzlich sind zwei der vier Stockwerke komplett gesperrt, damit wir unsere Reinigung auf die übrigen Stockwerke konzentrieren können.

IHK: Die Bundesregierung will die Mehrwertsteuer für Hotels bis Ende Juni 2021 auf sieben Prozent senken. Hilft das?

Jens Blank: Aktuell hilft das nicht. Wenn ich nichts verdiene, zahle ich sowieso kaum Steuern. Langfristig können die niedrigeren Steuern allerdings den Gewinn erhöhen. Deshalb hoffe ich, dass die Steuersenkung über das Jahr 2021 hinaus verlängert wird.

IHK: Was können Sie Positives aus der Corona-Zeit mitnehmen?

Jens Blank: Die Idee den Lieferservice am Wochenende weiterzuführen, finde ich gut. Außerdem werden wir noch mehr den Fokus auf Hygiene setzen. Aktuell arbeiten wir an besseren, effizienteren Arbeitsabläufen. Die werden uns in Zukunft auch viel Zeit ersparen.

IHK: Von einer Zeit nach Corona lässt sich schwer reden, aber was wünschen Sie sich für die kommenden Monate?

Jens Blank: Ohne Gäste fehlt unserem Hotel die Seele. Wo es früher Gespräche gab, Musik und gute Stimmung, ist es zurzeit ziemlich leer und trostlos. Deshalb hoffen wir – natürlich unter Berücksichtigung aller Hygiene-Vorschriften – so bald wie möglich wieder öffnen zu können.

IHK: Herr Blank, herzlichen Dank für das Interview.

Das Gespräch für die IHK Nürnberg für Mittelfranken führte Felix Warmuth. Link zum Hotel „Das Hürner“ in Ansbach www.das-huerner.de