Christian Mittermeier (54) betreibt die Hotels „Villa Mittermeier“ und „Mittermeiers Alter Ego“ in seiner Heimatstadt Rothenburg o. d. Tauber. Außerdem ist er Koch, Weinbauer und Mitglied des IHK-Gremiums Rothenburg o. d. Tauber.

Über mehrere Jahre hielt sein Gourmet-Restaurant einen Michelin-Stern. Wie er die Corona-Krise für seine Mitarbeiter nutzt und wie er nachhaltiger arbeiten möchte nach der Krise, erzählt er im Gespräch mit der IHK-Akademie Mittelfranken.

IHK: Hotel, Restaurant, Weinberg – wo verbringen Sie aktuell Ihre meiste Zeit?

Christian Mittermeier: Die meiste Zeit bin ich im Büro, in Besprechungen oder am Telefon. Der Betrieb findet durch die Corona-Auflagen nur eingeschränkt statt . Diese Situation stellt völlig andere Anforderungen als das Alltagsgeschäft an mich.

IHK: Welche Anforderungen sind das?

Christian Mittermeier: Wir gehen davon aus, dass sich das Gästeverhalten nach der Wiederöffnung ändert. Darauf müssen wir vorbereitet sein.

IHK: Und wie ist die Situation in Ihrem Team?

Christian Mittermeier: Am Anfang der Krise war mein Team verunsichert und aufgewühlt. Ich habe persönlich, über Telefonate und WhatsApp viel Wert auf die Kommunikation gesetzt. Gerade jetzt eignet sich die Zeit auch für Coachings.

IHK: Lässt sich die schwierige Situation besonders für Weiterbildung nutzen?

Christian Mittermeier: Wir haben schon vor Corona unsere Mitarbeiter regelmäßig geschult. Allerdings ist jetzt mehr Zeit dafür und wir möchten damit Positives aus der Krise mitnehmen.

IHK: In welchen Bereichen bilden Sie Ihre Belegschaft fort?

Christian Mittermeier: Wir schulen unsere Mitarbeiter in allen Bereichen: Umsetzen der neuen Hygiene-Regeln, kulturelles Wissen und Wein gehört dazu.

IHK: Sie sagten, Sie planen viel. Was wird sich für Ihre Gäste ändern?

Christian Mittermeier: Vor allem im digitalen Bereich möchten wir einiges anpassen. Online-Reservierungen werden zukünftig wichtiger. Wir wollen die Gäste mit einem Ticket-System an ihre Reservierungen binden. Bisher kam es häufig vor, dass Gäste trotz Reservierung nicht erschienen sind. Außerdem wollen wir das Dynamic Pricing einführen.

IHK: Was bedeutet Dynamic Pricing?

Christian Mittermeier: Das bedeutet, dass die Preise an besuchsärmeren Tagen günstiger sind. Unter der Woche ist damit das Essen günstiger als am Wochenende. Damit möchten wir die Gästezahlen in Zukunft besser steuern.

IHK: Viele Experten fordern mehr Nachhaltigkeit für die Zeit nach Corona: Arbeiten Sie aktuell an mehr Nachhaltigkeit?

Christian Mittermeier: Wir müssen Nachhaltigkeit definieren. Ein Teilaspekt davon ist die Regionalität. Wenn ich Äpfel aus Franken, vom Bodensee oder aus Chile zur Auswahl habe, welche davon sind nachhaltig? Wenn in Deutschland aktuell keine Apfelsaison ist, sind die Äpfel aus Chile vielleicht nachhaltiger. Es gehört viel Fingerspitzengefühl dazu. Informiert sein ist außerdem wichtig, um das beste Konzept für sich selbst zu finden.

IHK: Kann die Gastronomie das Angebot regionaler Produkte beeinflussen?

Christian Mittermeier: Ja, das Kaufen selbst fördert schon das Angebot. Kaufe ich regional ein, steigt das Angebot regionaler Produkte. Außerdem können Gastronomen auf das Thema aufmerksam machen.

IHK: Sie arbeiten zurzeit an vielen Projekten, fühlen Sie sich dennoch von Corona eingeschränkt?

Christian Mittermeier: Nein, ich kann doch tun was ich will. Corona hindert mich nicht an meinem Handeln. Ich bin frei.

Das Interview führte Felix Warmuth für die IHK-Akademie Mittelfranken. Link zur Villa Mittermeier: https://www.villamittermeier.de/